August Schärttner - Ein Lebensbild
August Schärttner, ein zielstrebiger, revolutionärer Mensch, hart im Nehmen und Geben und ebenso hart gegen sich selbst. Er war hochintelligent und später ein guter Redner, der es verstand seine Hörer mitzureißen. Eben ein Mann mit einer mächtigen Erscheinung, einem festen Willen und klarem Verstand. Schärttner gilt als der Vorkämpfer für Einheit und Freiheit.Er übernahm, nach Christian Lautenschlägers Abreise, den ersten Vorsitz der Turngemeinde 1837 Hanau (TGH). Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war er eine ausgesprochene Führungspersönlichkeit, voller Ideen und Initiativen, die er sofort in die Tat umsetzte. August Schärttner baute die TGH zu einem „Macht-Faktor“ aus, der nicht mehr übersehen werden konnte. Mit dem Verfassen einer Satzung (Gesellschaftsordnung genannt) sorgte er dafür, dass die Turner sich strenger Disziplin zu unterwerfen hatten.
Es scheint als sei der Revolutionsmärz vorüber und Freiheit habe in Deutschland begonnen, denn es gelang Schärttner die Menschenrechte durchzubringen. Er nutzte sie sofort zur Einberufung des ersten Deutschen Turntags am 01.04.1848 nach Hanau.
Er organisierte einen Versammlungsraum in der niederländisch-wallonischen Kirche, welche später zum Sinnbild für den ersten Deutschen Turnerbund und die Turngemeinde Hanau wurde.
Einstimmig wurde ein Deutscher Turnerbund gegründet. Zum geschäftsführenden Vorstand wurden die Vertreter der Turngemeinde Hanau und mit ihnen wurde Schärttner zum ersten Vorsitzenden dieses neuen Deutschen Turnerbundes gewählt.
Zwischen Schärttner und dem alten Turnvater Jahn war ein sehr freundschaftliches Verhältnis entstanden. Jahn blieb auch nach Beendigung des Turntages noch fast zwei Wochen bei Schärttner und den Hanauer Turnern, die ihn ehrten und „Vater Jahn“ nannten.
Jahn und Jakob Grimm schlossen sich der konservativen Richtung an, Schärttner und seine Turner der liberalen („roten“). Aufgrund dessen zerbrach der neugegründete Deutsche Turnerbund und ein „Demokratischer Turnerbund“ wurde gegründet, dessen Vorsitzender wieder Schärttner war.
Hanau war somit der Mittelpunkt der demokratisch-republikanischen Bewegung in Deutschland geworden.
Ein Bruch zwischen Jahn und Schärttner und der TGH entstand.
Die Missachtung der Reichsverfassung 1849 führte schließlich zu Aufständen unter anderem auch in Baden. Die Revolutionsregierung bat Schärttner und seine Turnerwehr der TGH um Schützenhilfe. Schärttner zog mit mehr als 400 freiwilligen nach Baden, konnte aber gegen die Reichstruppen nicht bestehen.
Die Hanauer Turnerwehr zog in die Schweiz ins Exil. Im Hochverratsprozess 1850 wurden die meisten Teilnehmer des Hanauer Turnerzuges, die größtenteils schon heimgekehrt waren, freigesprochen. Die verurteilten Anführer dagegen, wie August Schärttner, mussten im Exil bleiben. Er floh später über die Schweiz nach London und galt seit dem als der große Verlierer der Revolution.
Nur sechs Jahre war er Turnwart, nur drei Monate Kommandant, aber neuneinhalb Jahre unglücklich in London wo er letztendlich verstarb.
Der Gründer des Deutschen Turner-Bundes
Lebenslauf
| Name: | Augustus Ferdinand Schärttner |
| Bezug zur TGH: |
Gründer der Turnerwehr der Turngemeinde 1837 Hanau, Nachfolger C. Lautenschlägers. Vorsitzender des ersten Deutschen Turnerbundes. |
| geboren am: | 31. Januar 1817 in Hanau |
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Eltern: |
Lodewigk Schärttner, Küfermeister und Weinhändler Maria Christina Schärttner, geb. Hörner, Beruf: Küferhandwerker und Weinhändler |
| Taufe in der Niederländisch-Wallonischen Kirche | |
| 1830 | „Einführung“ in die Politik durch die zweite Revolution in Frankreich |
| 1837 | Rückkehr nach Hanau |
| 1841 | Wahl zum Turnwart der Turngemeinde 1837 zu Hanau |
| 1841 | veranstaltet das erste öffentliche Schauturnen |
| 1842 | verfasst eine Gesellschaftsordnung |
| 1843 | beauftragt Hanauer Jungfrauen eine Fahne für den Verein zu sticken |
| 1843 | Veranstalter eines Turnfestes mit den Turngemeinden aus Frankfurt, Offenbach und Mainz |
| 23.07.1844 | Leitung der Turnübungen auf dem ersten Feldbergfest |
| 1845 | nimmt mit Hanauer Turnern am Turnfest in Reutlingen teil |
| 12.03.1848 | Deputation Hanauer Bürger auf dem Hanauer Marktplatz |
| 01.03.1848 | Mitglied der Deputation, die nach Kassel reiste, um dem Kurfürsten eine Petition zu überreichen |
| 09.03.1848 | unterschreibt das „Hanauer Ultimatum“ |
| 01. - 03. 04.1848 |
lädt alle Turngemeinden Deutschlands zum ersten allgemeinen Turntag nach Hanau ein. Der Deutsche Turnerbund wurde gegründet, die TGH wird als Vorort gewählt und August Schärttner zum ersten Vorsitzenden des neuen Deutschen Turnerbundes gewählt. |
| 02.07.1848 |
Schärttner schließt sich den Liberalen an und der DTB zerbricht => Gründung des „Deutschen Demokratischen Bundes“ dessen Vorsitzender wieder August Schärttner wird |
| 02.07.1849 |
Aufstände in Deutschland – Schärttner schickt seine Turnwehr der TGH als Schützenhilfe nach Baden, welche aber gegen die Reichstruppen nicht bestehen konnten. |
| 06.07.1849 | Grenzüberschritt zwischen Stetten und Riehen |
| 08.07.1849 | Lob an Schärttners Männer in der Berner Zeitung, Schärttner wird Kommandant des Internierungslagers |
| 08.09.1849 | Abreise aus Bern in Richtung London |
| Sept. 1849 | Ankunft in London, findet Arbeit als Kellner |
| 24.09.1857 |
Urteil in Hanau gegen Schärttner ohne seine Anwesenheit: 8 Jahre Zuchthaus wegen Hochverrat. Somit war eine Rückkehr in die Heimat ausgeschlossen. |
| 22.02.1859 | gestorben in London |
