Über 100 Jahre Frauensport in der TGH
Erst Dank dem Bau der Jahnhalle war es der TGH möglich, eine Frauenabteilung zu gründen. Normalerweise sollte diese schon früher gegründet werden, nur hätten in der alten Trainingsstätte der TGH in der Fischergasse die Männer beim Sport zusehen können. Dies war verboten und so mussten die Frauen noch warten. Vor über 100 Jahren, genau am 09. November 1902, nach der Fertigstellung der Jahnhallen, wurde das Frauen- und Mädchenturnen bei der Turngemeinde 1837 Hanau a.V. eingeführt. Zur Gründungsversammlung erschienen auf anhieb 53 Frauen. Zu der damaligen Zeit, als das Turnen beim weiblichen Geschlecht noch verpönt war, war dies als äußerst mutig anzusehen, wenn es junge Mädchen und Frauen wagten, gemeinsam zu turnen. Es war einfach nicht schicklich weibliche Anmut in die „Männerderbheit“ ausarten zu lassen.
Nach der Einrichtung des Frauenturnens im Jahr 1902 stellte sich ein weiteres Problem: Wer sollte vorturnen?
Es war eine moralische Frage, die wir sicherlich über 100 Jahre später nicht mehr ganz einfach verstehen können. Frauen im Turndress, d.h. in nicht korrekter vorgeschriebener Kleidung – wo sollte das hinführen? Männer durften die Frauen beim Turnen schon gar nicht beobachten. Andererseits war es für eine Frau ebenso unschicklich, als Vorturnerin vor eine ganze Gruppe zu treten und den Ton anzugeben. Dies war eben eine reine Männersache.
Otto Schatt, der damalige 1. Vorturner, löste das Problem dadurch, dass er selbst vorturnte (Gerüchten zur folge, hätte er sich dabei die Augen verbunden – dies ist aber nicht belegt). Von den anderen Vorturnern wurde er jedenfalls sehr beneidet. Es ergab sich aber keine andere Lösungsmöglichkeit und Schatt wurde von den Frauen akzeptiert. Ihm folgten dann wiederum nur Männer bis im zweiten Weltkrieg das Vorturnen durch eine Frau allgemein zur Regel wurde.

