Über 100 Jahre Kinderturnen
1876 entstand eine eigene Vereinsturnhalle der Turngemeinde 1837 Hanau a.V. (TGH). Mit dieser Halle entstanden auch erstmals Pläne zur Einführung des Frauenturnens – für die damalige Zeit sicherlich revolutionär. Nach den prüden Moralvorstellungen des Jahrhunderts war das aber in der „alten“ Halle der TG Hanau nicht möglich und so musste 1901/02 in der Jahnstraße neu gebaut werden. Es entstand die Jahnhalle.
Als nach Erbauung des neuen Hauses das Frauenturnen endlich erfolgreich eingeführt werden konnte und sich dieses eingelebt hatte, konnte man an den weiteren Ausbau des Turnvereins denken. Am 01. Januar 1905 wurden die Kindergruppen der TG Hanau mit 22 Mädchen und 20 Knaben ins Leben gerufen. Am Schluss des Jahres waren es bereits 119 Mädchen und 65 Knaben, die bei der TG Hanau turnten. An einem Trainingsabend wurde die Turnstunde sogar einmal von 86 Mädchen besucht!
Im selben Jahr traten die Mädchen unter Leitung ihres Turnlehrers Reinheimer mit einem Schauturnen zum ersten Mal an die Öffentlichkeit – insgesamt 60 jugendliche Turnerinnen nahmen teil. Die außergewöhnlich große Zuschauerzahl bei diesem wie bei allen späteren Schauturnen der Kindergruppen bewies das Interesse der Bürgerschaft gerade an diesem Zweig der turnerischen Tätigkeit.
Und das Interesse wuchs weiter, wie auch die Aktivitäten der Turngemeinde. Am dritten Tag des 28. Mittelrheinischen Kreisturnfestes am 16. Juli 1906 traten beide Kindergruppen gemeinsam zum Schauturnen an: 48 Knaben und 98 Mädchen. Einen großartigen Verlauf nahm das am Ostermontag 1908 veranstaltete Kinderfest, bei dem das Festspiel „Der Streit der vier Jahreszeiten“ mit Gesängen und turnerischen Einlagen aufgeführt wurde. Die Aufführung stieß auf die Begeisterung des Publikums, insbesondere der Eltern der Akteure.
In der Festschrift zum 125jährigen Geburtstag der TGH ist zu lesen: Zurückblickend auf die ersten 7 Jahre des Kinderturnens in unserer Turngemeinde dürfen wir sagen: Wenn auch nicht alle Hoffnungen sich erfüllt haben, so ist doch der Versuch geglückt; das Kinderturnen hat sich erfolgreich einen festen Platz und Anerkennung in unserem Verein erobert!
Heute sind es, in der Turnabteilung unter Leitung von Monika Sönning und in der Gymnastikabteilung unter Leitung von Helga Löwer-Pense, insgesamt 636 Kinder und Jugendliche die regelmäßig „turnen“!
So ermöglichte der Bau der Jahnhalle zwei neue Angebote in der Turngemeinde Hanau, die Frauenturngruppe und eine Kinderabteilung für Knaben und Mädchen.
Von der Abteilung Turnen im heutigen Sinne war noch nicht die Rede und an eine Abteilung Gymnastik hatte damals auch noch niemand gedacht. Gymnastik (= “Freiübungen“) war ein Teil der Turnerei.
Bis zum Entstehen des Frauenturnens war auch noch nicht von „Abteilungen“ die Rede, sondern nur von Turngruppen. Unterschieden wurden die Turngruppen nach Alter und nach Geschlecht. Freilich gab es immer wieder Entwicklungen und Verschiebungen von Schwerpunkten. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand das Angebot der TGH ausschließlich aus Turnen und Gymnastik. Es war fast unbemerkt geschehen, dass von England die Rasenspiele mit Bällen und leichtathletischen Spielen aufs Festland herüberkamen. „Sport“, wie man das auf Englisch nannte, schickte sich an, das Turnen zu verdrängen. Mannschaftsspiele, bei denen Gewinnen und Verlieren im Vordergrund standen, erschienen amüsanter, als die straffe turnerische Einzelleistung.
Bis 1911 hatte die TGH eine Fußballmannschaft. 1921 brachte Karl Lippstreu den Handball nach Hanau und gründete mit Hugo Winkler eine Handballmannschaft und alsbald auch eine Abteilung Handball.
Eine Spiel- und Sportabteilung der Turngemeinde 1837 Hanau a.V. hatte es schon seit 1901 gegeben; hier wurde die Bezeichnung „Abteilung“ erstmals amtlich.
Die nichtturnerischen Sportarten wurden als Abteilungen des Vereins ausgegrenzt. Die Bezeichnung „Abteilung“ ist hier in ihrer sprachgeschichtlichen Bedeutung zu sehen: Die nicht turnerischen Sportarten wurden als Ab-teilung des Vereins ausgegrenzt. Es war folglich rückbezüglich, dass ab etwa 1930 auch von einer „Turnabteilung“ die Rede war.
Der erste Turnwart des Vereins hatte alles unter sich. Seit 1922 wurde er „Oberturnwart“ genannt, wohl deshalb, weil er außer Turnen auch Sport und Spiel leitete. Ab 1932 bekleidete Heiner Geiß, dessen Arbeit unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland stand, dieses Amt. Zunächst musste er das Männerturnen in ein Wehrturnen umfunktionieren, das für alle „Pflicht“ war. Die Jahnhalle wurde ein SA-Heim, schließlich Lazarett und zum Ende des Krieges durch Bomben zerstört.
1957 erst gelang es dem ehemaligen Oberturnwart Heiner Geis wieder eine Männer-Turngruppe zu gründen, die den Namen „Altersturner“ erhielt. Hauptproblem war in jener Zeit die fehlenden Turnhallen. In dem Maße, wie sich dieses Problem lockerte, entstanden auch die Frauen- und Kindergruppen wieder in einem bunten Durcheinander.
1979 entstand eine einheitliche Turnabteilung mit vielen Sparten. Die Turnabteilung wuchs und wurde schließlich von einem Vorstand geleitet. Bis zur Aufteilung der Turnabteilung 1997, als eine Mitgliederzahl von 1150 Mitgliedern erreicht war, waren Werner Klitsch, Dr. Gottfried Posselt und Christa Gräßer die legendären Abteilungsleiter. 1998 wurde die Turnabteilung in eine Turnabteilung und eine Gymnastikabteilung aufgeteilt. Einzelne Aktivitäten werden ohne feste Abteilungszugehörigkeit angeboten. Diese stellen sich im Jahr 2007 wie folgt dar:
Die Turnabteilung, die momentan von Monika Sönning geleitet wird, bietet mittlerweile folgende Angebote:
Von der Männersportgruppe, über Frauenturnen, Seniorenturnen, Leistungsturnen für Damen und Herren, Jungen und Mädchen, Kinderturnen für Zwei- bis Sechsjährige (Yeli Keppke und Christa Seibel) bis hin zu Rope Skipping!
Die Gymnastikabteilung, die momentan von Helga Löwer-Pense geleitet wird, bietet mittlerweile Angebote:
Von der Rhythmische Sportgymnastik über Er und Sie – Gymnastik, Bauch-Beine-Po, Bauch Muss Weg, Step-Aerobic, Fatburner, Aerobic und Fitness bis hin zur Pruzelgruppe für 3 bis 5jährige.
Weitere Aktivitäten, meist als Kursangebot angeboten:
Krabbeltreff für Babys (zertifiziert mit dem Pluspunkt Gesundheit des Deutschen Turnerbundes), 6 Monate bis 1 Jahr und eine weitere Gruppe für die Ein- bis Zweijährigen.
Frauengymnastik, Wirbelsäulengymnastik, Yoga und ganzheitliche Gesundheitsförderung (Pilates).
Informationen über die Angebote im „Turnen“ und alle weiteren sportlichen Angebote der TG 1837 Hanau a.V. finden Sie unter www.TG-Hanau.de oder erhalten sie in der Geschäftsstelle unter Tel.: 06181 – 13122 oder E-Mail:
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